
Der Hannoversche Schweißhund

Der Hannoversche Schweißhund ist bis in die Keltenzeit, einem Jägervolk in Mitteleuropa etwa ab 500 v.Chr., zurückzuführen. Die Kelten benutzten zum Aufspüren des Wildes den sogenannten Segusierhund, welcher aus der Keltenbracke hervorging. Er hatte ähnlich spezialisierte Aufgaben wie der spätere Leithund und wies durch seine kräftige Form und im Erscheinungsbild große Ähnlichkeit mit ihm auf. Der Unterschied des Leithundes zu den übrigen Bracken, bestand im stumpfen Fang mit breiter Nase und dem starken Körperbau. Die Farbe war grau, schwarz und rot. Berühmt waren die schwarzen Leithunde der Abtei St.Hubertus in den Ardennen. Diese Abtei züchtete über Jahrhunderte Spitzenhunde für den französischen Königshof.
Der Hannoversche Schweißhund ist später fast unverändert aus dem alten Leithund weiter gezüchtet worden. Seit Karl dem Großen hat der Leithund eine außerordentliche Stellung bei der Jagd eingenommen und die Führungsmethode des Leithundes wurde ausgebaut. Man verwendete den Leithund zum Ausarbeiten der Fährten starker Hirsche und Keiler.
Die Führer von Leithunden waren mit die wichtigsten Jäger bei Hofe. Von Ihnen und Ihrem Können bei der Führung der Leithunde hing maßgeblich der Jagderfolg ab. Die Arbeit nannte man "Besuch". Im Mittelalter entstand die Bezeichnung Besuchsjäger. Die Ausbildung zum Besuchsjäger dauerte drei Behänge–Jahre. Behänge leitet sich ab vom Nachhängen am Hängeseil des Leithundes auf der Fährte. Die Arbeitszeit des Leithundes war die Zeit ab Frühjahr nach dem Verfärben des Wildes. Der Hund sollte auf der Fährte keine Ablenkung durch abgestreifte, höher im Gestrüpp hängende Haare haben.

Die Bestätigung des Wildes erfolgte durch die Vorsuche auf Wegen oder entlang von Feldlinien, wo das Wild ins Holz eingewechselt war. Zeigte der Leithund dann die gerechte Fährte, wurde diese auf Zuspruch bis zum Einstand gearbeitet. Der Besuchsjäger berichtete, nach Abtragen des Hundes, seinem Jagdherrn über die Stärke des Hirsches, anhand der von ihm gefundenen hirschgerechten Zeichen, wie Trittsiegel und Losung, welche zur Bestätigung vorgelegt wurden. Der Jagdherr entschied dann über den weiteren Verlauf der Jagd. Oftmals kamen dann Lancierhunde zum Einsatz, die den Hirsch auf der warmen Fährte arbeiten und zum Verlassen der Dickung bewegen sollten. Das Stück konnte dann beim Verlassen der Dickung erlegt werden, oder es wurde mit Hunden und zu Pferd zustande gehetzt und abgefangen.
Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen änderten sich die Jagdmethoden auf Hochwild und man benötigte einen Hund zur Nachsuche auf angeschweißtes Wild. Der Leithund bot hierfür die besten Voraussetzungen. So wurde aus dem Leithund im praktischen Jagdbetrieb der Schweißhund.
Besonders der Hannoversche Jägerhof entwickelte im 18. und 19. Jahrhundert diese Hunderasse weiter. Der Hund wurde sowohl für das Bestätigen, wie auch zur Nachsuche auf krankgeschossenes Hochwild eingesetzt. Dabei wurde eine Führungsmethode geschaffen, die sich in einigen Abschnitten bis heute für den Nachsuchenhund bewährt hat, die sogenannte "Jägerhofmethode".
1866 fiel Hannover an Preußen und die Auflösung des Jägerhofes war die Folge. Die Förderung des Schweißhundewesens wurde in der preußischen Forstverwaltung fortgeführt. Im Jahre 1885 erhielt der Schweißhund aus Hannover, anlässlich einer Delegiertenversammlung des Vereins zur Veredelung der Hunderassen in Deutschland, seinen Namen "Hannoverscher Schweißhund" / "Deutscher Schweißhund". Die Gründungsversammlung des Vereins Hirschmann fand am 17. Juni 1894 in Silbers Hotel in Erfurt statt.
In der Satzung ist festgeschrieben:
"Es ist Aufgabe des Vereins, die Rasse des Hannoverschen Schweißhundes, als einmaliges und altes jagdliches Kulturgut, der waidgerechten Jagd zu erhalten und durch den Einsatz leistungsfähiger Hunde dem Wildtier und dem Waidwerk zu dienen." Hier eine vereinfachte Übersicht über die Rassenentwicklung des Hannoverschen Schweißhundes:

Der bayerische Gebirgsschweißhund

1848 nach der Revolution findet man erste Hinweise auf die Rasseentstehung des Bayerischen Gebirgsschweißhundes. Die sich verändernden jagdlichen Verhältnisse haben passionierte Jagdherrn bewogen, einen Hund zu züchten, der dem harten Einsatz im Gebirge gewachsen war. Ziel war absoluter Fährtenwille, -sicherheit und -treue sowie Hetzfreudigkeit, Fährtenlaut und Wildschärfe gepaart mit absoluter Geländetauglichkeit im Gebirge. Hierfür wurden Wildbodenhunde und Bracken des Gebirges mit dem Hannoverschen Schweißhund verpaart. Die Farbgebung braun, schwarz oder rot spielte nur eine untergeordnete Rolle. Große weiße Abzeichen wollte man wegen zu großer Auffälligkeit vermeiden.
1883 wurde die Rasse Bayerischer Gebirgsschweißhund erstmals über Rassekennzeichen beschrieben und erhielt von der Delegierten Versammlung der Deutschen Kommission den Namen und die Stammbaumfähigkeit. Leistungsüberprüfungen fanden in der damaligen Zeit nur in der Praxis statt, eine zielgerichtete Leistungszucht und ein Prüfungswesen gab es noch nicht. Die Zucht orientierte sich oftmals an der reinen Form-, Ausstellungs- und Zufallszucht. Durch die Bemühungen einiger Idealisten festigte sich das Exterieur der Hunde durch Reinzucht. Preis hierfür war das verringerte Augenmerk auf die Leistungsfähigkeit.
1912 gründete man den Zuchtverein, der sich um das Wohlergehen der Rasse kümmern sollte. So entstand der Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde 1912 e.V.(KBGS). Die wenigsten der damals gezüchteten Hunde hatten Elterntiere, die auf einer Kunstfährte oder geschweige denn einer Naturfährte geprüft waren. Meist waren die zur Weiterzucht verwendeten Tiere lediglich auf einer Zuchtschau vorgestellt worden.
1921 wurde die erste Schweißprüfung (Vorprüfung) mit 15 Hunden durchgeführt.
1939 erließ die Fachschaft für Bayerische Gebirgsschweißhunde erstmals Bestimmungen, wonach ausschließlich leistungsgeprüfte Hunde eine Zuchtgenehmigung erhalten konnten.
1949 wurde die Zucht durch einen Vortrag von Rudolf Friess bei der Neugründungsversammlung des KBGS maßgeblich beeinflusst. Eine Blutauffrischung mit den alten Schweißbracken des Hochgebirges sollte erfolgen, sowie scharf bewertete Fährtenlautprüfungen möglichst mit Vor- und Hauptprüfung zur Überprüfung der Erbanlagen und Zuchtauswahl. Genauso scharf, wie man die Hunde musterte, wurden auch die Führer in die Pflicht genommen. Die Besten unter ihnen wurden geschult und für die Sache gewonnen. Der Gedanke der scharfen, stammbuchmäßigen Leistungszucht hatte seinen Nährboden gefunden.
1951 wurde mit der Einkreuzung von Tiroler Bracken eine Regenerationszucht betrieben.
1960er und 1970er Jahre: Die leistungsstarken Hunde dieser Jahre stammen fast ausnahmslos aus dieser Regenerationszucht und bildeten mit ausgesprochen passionierten und spezialisierten Hundeführern Gespanne auf höchstem Niveau. In dieser Zeit fand der Bayerische Gebirgsschweißhund vermehrt Einzug in die Mittelgebirge und die norddeutschen Reviere, wobei er sich bei der Nachsuche am wehrhaften Schwarzwild ebenfalls bestens bewährte.
1980er Jahre: Starke Nachfrage von neuen Hundeführern nach Bayerischen Gebirgsschweißhunden, so dass die Anzahl der im Inland gezüchteten Welpen diese nicht erfüllen konnte. Welpen ausländischer Zuchtvereine wurden eingeführt. Die Bestimmungen für die Mitgliederaufnahme und die Vergabe von Welpen wurden durch den Zuchtverein verschärft. Die hohen Anforderungen an die Zuchthunde wurden konsequent eingehalten.
1990er Jahre: Nur wenige Hundeführer konnten keinen Welpen erhalten. Die Zahl der Hunde und Hundeführer stieg im Verhältnis zur Schalenwildstrecke. Die Popularität der Schweißhunde an sich stieg stark an, wobei dieser Bedarf durch Kanäle zum Teil aus Osteuropa und Schwarzzuchten (Hundehandel) führten.
1994: Neuordnung der Zuchtstrategien. Beauftragung einer Zuchtkommission, die Belange der Zucht verantwortungsvoll zu bearbeiten. Beschluss zur Einführung des Zuchtwertschätzungsprogrammes DOGBASE. Hier wurden alle ab den 1960erJahren gezüchteten Hunde mit den dazugehörigen Prüfungsleistungen und Formwerten sowie HD-Befunden erfasst.
Verwendung damals
Wie bei allen Hunderassen liegt auch beim Bayerischen Gebirgsschweißhund das Ziel seiner Zucht in seiner Verwendung. Bezogen auf die Entstehung war der Einsatz der Hunde, die letztlich zum Bayerischen Gebirgsschweißhund geführt haben, geprägt durch ihr Einsatzgebiet.
Die Gebirgsbracken wurden bei großen Brackaden eingesetzt, wo die Hunde mit Fährtenwille, -sicherheit und -treue, gepaart mit Hetzfreudigkeit, Fährtenlaut und Wildschärfe dem Jäger das Wild brackierten. Die Jagd im Gebirge forderte volle Geländegängigkeit und ein entsprechendes Haarkleid gegen extreme Witterungsbedingungen. Der Schweißhund, wie wir ihn heute verstehen, war hier so nicht erforderlich. Die Gebirgsbracken blieben durch selbständiges Jagen am kranken Wild, bis der Jäger dieses, selbst nach Stunden oder Tagen, erreichte.
Bei der Arbeit des Leithundes galt es eine bestätigte Hirschfährte zu halten, um dieser über lange Strecken, bis zum Jagderfolg, nachzuhängen. Das Gelände war im Gegensatz zum Gebirge in großen Teilen begehbar. Hatzfreudigkeit und Wildschärfe standen bei dieser Art der Arbeit im Gegensatz zum Fährtenwillen mit ausgeglichener und ruhiger Arbeitsweise im Hintergrund.
Durch veränderte Jagdverhältnisse, auch im Gebirge, suchte man die Kombination der optimalen Eigenschaften aus der letztendlich der Bayerische Gebirgsschweißhund hervorging.
Verwendung heute
Ähnlich wie zum Anfang der Rasseentwicklung stellt sich die Frage nach den jagdlichen Verhältnissen, den Aufgaben und Anforderungen. Einzeljagd, Nachtjagd, Drückjagden in oft eng angelegtem Straßennetz bilden immer öfter die neuen Verhältnisse. Die Aufgaben für den Spezialisten, verletztes Wild zu suchen, zu stellen und mit seinem Führer zu erlösen, sind geblieben.
Die Bedingungen bedingt durch Technik, gut ausgebildete Gebrauchshunde und einem in der Öffentlichkeit ausgeprägtem ethischen Bewusstsein sind stetig gestiegen. Der Bayerische Gebirgsschweißhund ist ein Spezialist auf der Wundfährte und steht im Dienst für die tierschutzgerechte Jagd. Die Anforderungen an den brauchbaren Bayerischen Gebirgsschweißhund von heute orientieren sich an Langlebigkeit, Vitalität und Gesundheit gepaart mit standardgerechter Form, um die aufwendige Spezialausbildung mit höher werdenden Anforderungen über einen möglichst langen Zeitraum nutzen zu können. Absolute Fährtensicherheit und -treue sind bei fast nur noch erschwerten Bedingungen von hoher Priorität. Absolute Wesensfestigkeit verbunden mit 100%iger Wildschärfe sollen lange Hetzen vermeiden. Fährten- oder zumindest Sichtlaut sind, wie auch ein harsches, dichtes Haarkleid, Kriterien, die sich im Laufe der Zeit nicht geändert haben.





































